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Das Texthaus
Andrea Himmelstoß
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Fensterworte 2011

DezemberFerne Sichten sind
nun reihenweise blickdicht.
Endlich im Nebel.

NovemberHerbstmöwen fliehen
mit silbernem Flügelschlag.
Leise verklingend.

OktoberWieder unterwegs.
Horizont – noch unerkannt.
Ein letztes Winken.

SeptemberNoch zögert der Wind,
wartet diese Stunde ab,
doch dann holt er Luft.

AugustFransige Wolken,
ein fernes Kreischen der Bahn
und der Fluss steht still.

Julisummende wespennester
tropfende eisbecher
klebrige t-shirts

sommer schmilzt
im häusermeer

JuniTautropfen,
eine Badewanne voller Jahre.
Gedankenstrudel,
die den Horizont erobern.
Vergangenheit,
die Zukunft trifft.

MaiWie
eine
seidenweiche Locke
wird
ein
Gedanke zu Erinnerung
webt
ein
Kichern auf die Haut

AprilEin Morgen

Möwenblau und Himmel streiten,
Hundemarken klappern
und die Füße betreten den Tag.

Alles ist offen.

MärzFlusswärts

Schlammköpfchen regen sich,
suchen das blaue Band,
lenzen zur Sonne.

Grünes Stimmengewirr
überzieht wispernd
den frühen Grund.

Noch verwehrt Ufergeröll
den Ausbruch der Zeit
- aber dann.

FebruarHimmelsstürmer

In tintiger Pfütze
spiegeln sich
Gedanken,
werfen ihr Licht
der Sonne
entgegen.

JanuarHe, Prinzesschen,
die Zeit ist reif.
Steh'auf,
steh' auf!
Lauf davon!
Dreh' dich nicht.
Die Erinnerung geht um.


Fensterworte 2010

Dezembertastsinn

handzahm widerständig
leben eruierend
welten einnehmend
abgründe erobernd

Novemberdes morgens

lichtschmeichelndes erwachen
aus schwarz-weißen nebeln,
wankende erkenntnis
um gewisse vergangenheiten,
zukunftsglühende horizonte,
vorbei.

Oktoberzartes blättergefunkel.
von sehnenden winden
auf dem rückzug begleitet.
heimlich
sammelt sich
anemonenkraft.
in ungeheuerlicher
tiefe
bricht sie auf.
vereint sich im rausch
mit dem wissen
um wiederkehr.

SeptemberPausenbrot

Unter Gewitterwolkenhimmel
in meinen Händen dich wendend.
An der Tür stehend
dich abschätzend.
Freiheit ahnend
und dich wegwerfend.

Laufend, rennend, springend
wirst du zu flüchtiger Erinnerung.

Augustfieselndes gekicher
rinnt lauschend
durch leere straßen.
knisternde woge
im strom des alltags
bricht sich am
getöse der stummen.
nimm deine hand.
nimm meine hand.
lass uns gehen.

Julihasenbrot

jeder krumen eine erinnerung
grasspitzen - eine ahnung
alveolengängige aromen
zwischen zwei scheiben

JuniKnallrote Tomatensonnen,
vergangen
unter dem Fett blühender Wiesen,
wogend
auf leichtem Film,
getragen
vom prallen Leben.

MaiSpring, Frühling,
lindgrünes Gespinst.
Sing, Frühling,
das Lied des Kokons.
Schau, Frühling,
wo du bleibst,
wenn Feuerwanzen
die Erde färben.

Aprilaprilwarten

im potpourri der ahnungen
zerstiebender wintermärchenzauber

lockende erfahrung
lodernden sonnengestöbers

erschöpfender staffellauf
ziellos

Märzlemurenhafter götterfunken
ausweichen unmöglich
gieriges verschlingen
ebnet die seele
zu weitem land
feiert, feiert!

FebruarMorgengabe

Wenn Morgenwind durchs Fenster weht,
wenn die Sonne aufersteht
und die Nacht vergeht,
dann sind sie laut,
die Krümel unter meiner Haut.

Januarkonzentration

konzentration.
gegenüber. du. alle.
elipsenförmiges schleichen um wahrheiten.
dekadenweises zerfließen auf tönernen füßen.
verzerrtes herantasten.
aneinander.
nebeneinander.

zentration.
ich.